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Häufige Probleme mit dem Stomabeutel und wie Sie damit umgehen

Die meisten Stomaträger:innen erleben früher oder später mindestens ein Problem mit ihrem Stoma, aber die meisten Ursachen lassen sich beheben. In diesem Ratgeber werfen wir einen Blick auf die häufigsten Probleme mit dem Stomabeutel, mit besonderem Fokus auf die Hautpflege rund um das Stoma, worauf Sie achten sollten und wann Sie sich an Ihre Stomapflegekraft wenden sollten.

Hautprobleme rund um das Stoma

Beginnen wir mit einigen allgemeinen Hautproblemen im Stomabereich. Die Haut rund um Ihr Stoma (die sogenannte peristomale Haut) wird stark beansprucht. Sie ist Tag für Tag von einer klebenden Versorgung bedeckt, und wenn etwas nicht stimmt, macht sich das meist zuerst dort bemerkbar.

Wunde Haut um das Stoma

Wunde, gerötete oder aufgeschürfte Haut gehört zu den häufigsten Problemen mit dem Stomabeutel und lässt sich fast immer auf eine behebbare Ursache zurückführen. Der häufigste Grund ist Kontakt zwischen Ausscheidung und Haut – meist durch eine Leckage oder eine unpassend zugeschnittene Öffnung. Sowohl Stuhl als auch Urin reizen die Haut, und selbst kurzer Kontakt kann bei wiederholtem Auftreten zu Wundsein führen.

Um wunde Haut rund um Ihr Stoma zu heilen, prüfen Sie zunächst die Passform: Ist die Öffnung richtig zugeschnitten? Zeigt die Rückseite der Basisplatte beim Abnehmen Spuren von Ausscheidung? Die Haut sauber, trocken und gut abgedeckt zu halten, ist die absolute Grundlage einer wirksamen Stomahautpflege.

Juckende Haut um das Stoma

Juckt die Haut rund um Ihr Stoma? Dafür kann es verschiedene Ursachen geben. Manchmal ist es ein frühes Anzeichen einer Empfindlichkeit gegenüber dem Klebematerial – diese kann sich auch nach jahrelanger, problemloser Nutzung desselben Produkts entwickeln. Es kann aber auch auf eine Pilz- oder Hefeinfektion rund um das Stoma hindeuten, die sich typischerweise als geröteter, juckender Hautausschlag mit klar abgegrenzten Rändern und manchmal kleinen „Satelliten“-Flecken zeigt. Beides sollten Sie Ihrer Stomapflegekraft melden, damit die richtige Ursache – und Behandlung – festgestellt werden kann.

Hefepilzinfektion um das Stoma

Hefepilze lieben Feuchtigkeit, und die warme, feuchte Haut unter einer Basisplatte bietet dafür optimale Bedingungen. Bemerken Sie einen juckenden, roten Ausschlag, der sich durch die übliche Hautpflege nicht bessert, sprechen Sie Ihre Stomapflegekraft darauf an. Eine antimykotische Behandlung ist in der Regel wirksam, und eine Anpassung Ihres Wechselrhythmus kann zudem helfen, ein erneutes Auftreten zu vermeiden.

Stomahautpflege: die Grundlagen

Auch bei der Stomahautpflege lohnt es sich, die Grundlagen zu kennen. Entgegen einer verbreiteten Annahme muss peristomale Hautpflege nicht kompliziert sein. Reinigen Sie die Haut sanft mit warmem Wasser – falls Sie Seife verwenden, wählen Sie eine milde, parfümfreie Variante. Trocknen Sie den Bereich gründlich ab (tupfen statt reiben), bevor Sie eine neue Versorgung anlegen. Verzichten Sie auf alkoholhaltige Tücher, da diese die Haut auf Dauer austrocknen und reizen können.

Bei bereits aufgeschürfter oder wunder Haut kann Ihre Stomapflegekraft geeignete Hautschutzprodukte und Cremes empfehlen. Tragen Sie keine dicken Cremes direkt unter die Klebefläche auf, es sei denn, diese sind ausdrücklich dafür vorgesehen, da sie die Haftung der Versorgung beeinträchtigen können.

Häufige Stomaprobleme

Stomainfektion

Sie sollten außerdem wissen, wie sich eine Stomainfektion erkennen lässt. Achten Sie auf verstärkte Rötung oder Wärme rund um das Stoma, Schwellungen, die nicht abklingen, ungewöhnlich aussehenden Ausfluss oder eine ungewöhnlich empfindliche Haut. Fieber oder ein allgemeines Krankheitsgefühl in Kombination mit diesen Anzeichen ist ein Grund, zeitnah ärztlichen Rat einzuholen.

Follikulitis (eine Entzündung der Haarfollikel rund um das Stoma) ist ein eher geringfügiges, aber unangenehmes Hautproblem, das meist nach der Rasur des peristomalen Bereichs auftritt. Sie zeigt sich als kleine, teils eitergefüllte Pickel. Ihre Stomapflegekraft kann Sie zu sicheren Methoden der Haarentfernung sowie zum Umgang damit beraten.

Stomanekrose

Eine Stomanekrose ist selten, dennoch ist es wichtig zu wissen, worauf zu achten ist. Ein gesundes Stoma sollte stets rosa oder rot und feucht erscheinen. Verfärbt sich Ihr Stoma dunkelrot, violett oder schwarz, oder fühlt es sich hart und kalt an, deutet dies auf eine eingeschränkte Durchblutung hin und erfordert dringend ärztliche Behandlung. Hier sollten Sie nicht abwarten, ob sich die Situation bessert – kontaktieren Sie umgehend Ihr Behandlungsteam.

Blutergüsse oder Schwellungen am Stoma

In den Wochen nach der Operation ist eine gewisse Schwellung völlig normal: Ihr Stoma wird sich im Laufe der Heilung nach und nach verkleinern. Ein Stoma, das nach leichtem Kontakt etwas blau erscheint, ist in der Regel kein Grund zur Sorge. Wirkt Ihr Stoma jedoch dauerhaft geschwollen, verändert sich die Farbe, oder verspüren Sie Schmerzen, sollten Sie dies untersuchen lassen. Eine Schwellung kann zudem die Passform Ihrer Versorgung beeinträchtigen, sodass die Größe der Öffnung in dieser Zeit möglicherweise angepasst werden muss.

Stomagranulome

Stomagranulome sind kleine, rote Knötchen, die am Rand des Stomas oder direkt auf dem Stoma auftreten. Sie entstehen durch Reibung, meist verursacht durch eine Basisplatte mit einer etwas zu großen Öffnung, wodurch der Rand am Stoma reibt. Sie können bluten, was zunächst beunruhigend wirken kann, und dazu führen, dass die Versorgung nicht mehr richtig abdichtet.

Bemerken Sie Granulome, prüfen Sie zunächst die Größe Ihrer Schablone – schneiden Sie die Öffnung aber nicht einfach größer, da dies die Situation verschlimmern kann. Ihre Stomapflegekraft kann Granulome behandeln, meist mit Silbernitrat, und Ihnen helfen, die richtige Passform zu finden, um ein erneutes Auftreten zu verhindern.

Stomaleckagen

Leckagen behandeln wir ausführlich in unserem eigenen Ratgeber zum Thema Stomabeutel-Leckagen – kurz gesagt: Sie kommen häufig vor, sie sind frustrierend, aber selten etwas, das Sie einfach hinnehmen müssen. Die häufigste Ursache ist eine unpassende Versorgung: entweder die Größe der Öffnung, der Typ der Basisplatte, oder beides. Veränderungen des Körpergewichts, der Bauchkontur und der Stomagröße nach der Operation können die Passform im Laufe der Zeit beeinflussen.

Treten Leckagen regelmäßig auf, sprechen Sie mit Ihrer Stomapflegekraft. Es gibt Produkte, die speziell für schwierige Hautprofile entwickelt wurden: konvexe Basisplatten für ein flaches oder eingezogenes Stoma, Hautschutzringe zum Ausgleich von Hautfalten und Vertiefungen sowie Stomagürtel für zusätzlichen Halt.

Ballooning am Stomabeutel

Ballonbildung entsteht, wenn sich Luft im Beutel schneller ansammelt, als der Filter sie ableiten kann – oft, weil der Filter feucht oder verstopft ist. Der Beutel bläht sich auf, was unangenehm sein und Zug auf die Klebefläche ausüben kann.

Hilfreich kann es sein, blähende Lebensmittel wie kohlensäurehaltige Getränke, Zwiebeln, Kohl und Bohnen zu meiden, keine Mahlzeiten auszulassen und auf Kaugummi zu verzichten. Verfügt Ihr Beutel über eine Filterabdeckung, versuchen Sie, diese zu entfernen oder nur zur Hälfte abzudecken. Tritt die Ballonbildung weiterhin auf, kann Ihre Stomapflegekraft Ihnen möglicherweise einen anderen Beutel mit wirksamerem Filter empfehlen.

Parastomale Hernie

Auch hierzu haben wir einen eigenen Ratgeber zu Stomahernien – eine parastomale Hernie entsteht, wenn ein Teil des Darms durch eine Schwachstelle in der Bauchmuskelwand tritt und eine Ausbuchtung rund um das Stoma bildet. Diese kann von einer kaum wahrnehmbaren Schwellung bis zu einer deutlich größeren Ausbuchtung reichen. Manche Betroffenen verspüren dabei Beschwerden oder ein ziehendes Gefühl, andere bemerken kaum etwas.

Muskelschmerzen rund um das Stoma in Kombination mit einer sichtbaren Ausbuchtung sollten untersucht werden. Zu den Risikofaktoren zählen schweres Heben, Gewichtszunahme, Rauchen und mehrfache Bauchoperationen. Das Tragen eines Stützmieders wird häufig sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung empfohlen – Ihre Stomapflegekraft kann Sie dafür vermessen. In manchen Fällen kann auch ein chirurgischer Eingriff in Betracht gezogen werden.

Stomaprolaps

Bei einem Stomaprolaps tritt der Darm nach außen durch das Stoma, wodurch dieses deutlich länger erscheint als gewöhnlich. Das kann zunächst beunruhigend wirken, verursacht aber in der Regel keine Schmerzen. Entscheidend ist die Farbe: Ein gesund vorgefallenes Stoma sollte weiterhin rosa oder rot bleiben. Verdunkelt es sich, ist umgehend ärztliche Hilfe erforderlich.

Flaches Liegen kann die Größe vorübergehend reduzieren, und ein Stützmieder wird häufig zur alltäglichen Unterstützung eingesetzt. Informieren Sie Ihre Stomapflegekraft immer, wenn Sie einen Prolaps bemerken, da die Größe Ihrer Versorgung wahrscheinlich angepasst werden muss.

Verstopfung (Kolostomie)

Bei Menschen mit einer Kolostomie kann gelegentlich Verstopfung auftreten, meist ausgelöst durch zu geringe Flüssigkeitszufuhr, weniger Ballaststoffe, reduzierte Bewegung oder neue Medikamente. Anzeichen sind härtere, seltenere Ausscheidung sowie möglicherweise Bauchkrämpfe. Mehr Flüssigkeit und Ballaststoffe sind meist der erste Schritt. Bessert sich die Situation innerhalb weniger Tage nicht, kann Ihre Stomapflegekraft schonende Maßnahmen empfehlen.

Durchfall und dünnflüssige Ausscheidung

Dünnflüssige, wässrige Ausscheidung übt starken Druck auf die Klebefläche aus und erhöht das Risiko einer Hautreizung deutlich. Nutzen Sie einen geschlossenen Beutel und die Ausscheidung wird plötzlich sehr dünnflüssig, erleichtert der Wechsel zu einem Ausstreifbeutel die Handhabung erheblich.

Lebensmittel, die die Ausscheidung eindicken können, sind unter anderem weißer Reis, Weißbrot, cremige Erdnussbutter, Naturjoghurt, Nudeln und unreife Bananen. Hält die dünnflüssige Ausscheidung länger als 48 Stunden an oder erscheint übermäßig, kontaktieren Sie Ihre Stomapflegekraft: Bei hohem Flüssigkeitsverlust besteht ein reales Dehydrationsrisiko.

FAQ: Probleme mit dem Stomabeutel

Wie behandelt man gereizte Haut rund um das Stoma?

Beginnen Sie mit den Grundlagen: Achten Sie darauf, dass die Haut vor dem Anlegen der Versorgung sauber und trocken ist, und prüfen Sie, ob die Öffnung die Haut nicht unnötig der Ausscheidung aussetzt. Ist die Haut bereits aufgeschürft oder wund, kann ein Hautschutzprodukt oder ein Schutztuch die Heilung unterstützen – Ihre Stomapflegekraft kann Ihnen das passende Produkt empfehlen. Hält die Reizung an oder wirkt sie wie eine Reaktion oder Infektion, lassen Sie sie untersuchen, statt abzuwarten.

Wie erkenne ich, ob mein Stoma infiziert ist?

Anzeichen einer Stomainfektion sind Rötung, Wärme, Schwellung oder ungewöhnlicher Ausfluss rund um das Stoma. Fühlen Sie sich zusätzlich unwohl, haben erhöhte Temperatur oder bemerken eine Farbveränderung des Stomas, sollten Sie so schnell wie möglich ärztlichen Rat einholen. Manche Symptome – wie Follikulitis oder eine Hefepilzinfektion – sind eher geringfügig, sollten aber dennoch fachgerecht behandelt werden. Zögern Sie daher nicht, Ihre Stomapflegekraft zu kontaktieren, wenn etwas nicht stimmt.

Welche Creme eignet sich für die Haut rund um das Stoma?

Das hängt stark davon ab, was genau mit Ihrer Haut los ist. Hautschutzcremes können wunde oder empfindliche Haut schützen, eignen sich aber nicht alle für die Anwendung direkt unter einer Basisplatte, da manche die Haftung beeinträchtigen können. Ihre Stomapflegekraft ist die beste Ansprechperson, um das passende Produkt für Ihre individuelle Situation zu empfehlen. Verwenden Sie nichts auf der peristomalen Haut, ohne es vorher abzuklären, da das falsche Produkt die Situation mitunter verschlimmern kann.

Wie lange dauert es, bis ein Stoma verheilt ist?

Das Stoma selbst stabilisiert sich in der Regel innerhalb der ersten sechs bis acht Wochen nach der Operation, während die Schwellung zurückgeht und das umliegende Gewebe heilt. Die peristomale Haut kann sich, sofern sie wund oder aufgeschürft war, bei richtiger Pflege vergleichsweise schnell verbessern – oft innerhalb von ein bis zwei Wochen – abhängig von Ursache und Schweregrad. Verbessert sich Ihre Haut trotz Anpassungen nicht, kann Ihre Stomapflegekraft helfen herauszufinden, was die Heilung erschwert.