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Stomainfektion: Anzeichen, Ursachen und was hilft

Eine Infektion des Stomas selbst ist zum Glück selten – der Darm ist gut durchblutet und produziert ständig Schleim, der Bakterien fernhält. Häufiger gereizt oder entzündet ist die Haut direkt um das Stoma herum, die sogenannte peristomale Haut. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, woran Sie eine Infektion erkennen, was die Haut reizen kann und wann ein Arztbesuch sinnvoll ist. Am besten prüfen Sie Stoma und Haut bei jedem Wechsel der Versorgung kurz mit – so fallen Veränderungen früh auf.

Illustration von BlutzellenIllustration von Blutzellen

Sally Wright arbeitet seit über 15 Jahren als Stomatherapeutin und bietet Betroffenen nach einer Stoma-Operation spezialisierte Pflege, Aufklärung und Unterstützung im ambulanten Bereich. Sally weiß, dass der Genesungsweg für jeden Patienten und jede Patientin individuell verläuft, und interessiert sich besonders für die psychologischen Aspekte der Anpassung an ein Leben mit Stoma. Ihre frühere Tätigkeit als Dermatologie-Schwester hat ihr gezeigt, wie wichtig das emotionale Wohlbefinden ist, wenn man sich mit körperlichen Veränderungen und deren Einfluss auf das Selbstwertgefühl auseinandersetzt.

Warum die Haut ums Stoma anfällig ist 

Ihre Haut ist voller Bakterien und Pilze, die sie normalerweise gut schützen – ganz ähnlich wie die Mikroorganismen im Darm. Rund ums Stoma ist es aber warm und feucht, manchmal kommt die Haut auch mit Ausscheidung in Kontakt. Genau das bringt das Gleichgewicht der Haut durcheinander und macht es Keimen leichter, sich anzusiedeln – oft ganz ohne Beschwerden, manchmal eben doch mit einer Infektion. 

Jeder kann davon betroffen sein. Etwas anfälliger sind Menschen, die allgemein geschwächt sind, Diabetes haben oder Medikamente nehmen, die das Immunsystem dämpfen. 

Wichtig: Nicht jede Hautreizung ist eine Infektion. Auch undichte Stellen, ein Kleber, den die Haut nicht verträgt, oder eingeschlossene Feuchtigkeit können der Grund sein. Bleibt die Haut gereizt oder bilden sich Knötchen, sollte Ihr behandelnder Arzt einmal draufschauen. Hautreizungen lassen sich jedoch meist gut behandeln, sobald die Ursache gefunden ist. Hautschutzpuder, -cremes, oder -sprays unterstützen die Haut dabei, sich zu erholen.

Was die Haut reizen kann 

  • Undichte Stellen: Ausscheidung gelangt unter die Hautschutzplatte und reizt die Haut. 

  • Feuchtigkeit: Schwitzen oder Feuchtigkeit, die unter der Versorgung eingeschlossen bleibt. 

  • Falsche Größe: Eine Hautschutzplatte bzw. eine falsch ausgeschnittene Öffnung, die nicht richtig passt, reibt auf der Haut. 

  • Zu schnelles Ablösen: Wird die Basisplatte ruckartig oder ohne Pflasterentferner abgezogen, können kleine Risse entstehen – durch sie kommen Bakterien leichter in die Haut. Das ist einer der häufigsten, aber auch am leichtesten vermeidbaren Gründe für Hautprobleme. 

  • Reste unter der Platte: Cremereste oder Kleberreste unter der Versorgung binden Feuchtigkeit. 

  • Falten oder Narben: Wenn sich durch Gewicht oder Narben Falten nahe am Stoma bilden, hält die Versorgung schlechter und Feuchtigkeit sammelt sich leichter an. 

Woran Sie eine Infektion erkennen 

  • Ausfluss: trübe Flüssigkeit, Eiter oder Blut aus der Haut oder dem Stoma 

  • Veränderte Haut: Statt gesundem Rosa oder Rot wird die Haut blass, bläulich-lila oder sogar schwarz, oft mit einer Schwellung 

  • Schmerzen: anhaltendes Ziehen oder ein deutliches Brennen 

  • Knötchen: kleine Pickel oder Pusteln 

  • Geruch: ein ungewöhnlicher Geruch, der nicht zur normalen Ausscheidung passt 

Bemerken Sie eines davon, sprechen Sie Ihren Arzt an. Oft reicht ein Abstrich, um die Ursache zu klären.

Welche Arten von Infektionen gibt es? 

Bakterielle Infektionen kommen am häufigsten vor. Sie entstehen leichter, wenn die Haut schon vorher gereizt oder verletzt war – etwa durch Leckagen oder eine Kontaktallergie. Auslöser sind meist Staphylokokken oder Streptokokken, manchmal beide zusammen. Auch eine frische OP-Wunde kann sich sekundär mit Bakterien infizieren, deshalb ist das Risiko kurz nach der Stoma-Anlage etwas höher. 

Zu den bakteriellen Infektionen zählen zum Beispiel: 

  • Follikulitis – entzündete Haarwurzeln 

  • Furunkel – schmerzhafte, mit Eiter gefüllte Knoten 

  • Borkenflechte (Impetigo) – sehr ansteckend, beginnt mit roten Wunden oder Bläschen, die goldbraune Krusten hinterlassen 

  • Cellulitis – heiße, geschwollene, schmerzende Haut, die sich tiefer ausbreiten kann. Klingt bedrohlich und braucht wirklich zügig eine Behandlung, kommt zum Glück aber nur selten vor 

Pilzinfektionen sind ebenfalls sehr verbreitet und zeigen sich als roter, juckender Ausschlag mit kleinen Pusteln. Ursachen können unter anderem Feuchtigkeit unter der Versorgung, ein zerstörter Säureschutzmantel der Haut, eine zu lange Tragedauer oder mangelnde Stomahygiene sein. Auch Antibiotika oder ein geschwächtes Immunsystem können das Risiko erhöhen.

  • Candidose (Soor) – bevorzugt warme, feuchte Hautstellen wie unter dem Stomabeutel 

  • Ringelflechte (Tinea corporis) – roter, juckender, runder Ausschlag mit hellerer Mitte 

  • Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor) – Flecken, die heller oder dunkler als die umgebende Haut sind 

Als Maßnahmen gegen Pilzinfektionen hilft zunächst ein regelmäßiger Wechsel der Beutelversorgung, um Feuchtigkeit zu reduzieren. Die Haut sollte danach sorgfältig gereinigt und getrocknet werden – im besten Fall nur mit lauwarmem Wasser, ohne aggressive Seifen. Bei Bedarf kommt ein ärztlich empfohlenes Pilzmittel zum Einsatz, meist eine antimykotische Suspension auf wässriger Basis. Wo möglich, tut der Haut außerdem etwas Belüftung gut: kurze Pausen ohne Platte helfen ihr, richtig zu trocknen. 

Virale Infektionen sind seltener, können die Versorgung aber schlechter haften lassen: 

  • Gürtelrose und Fieberbläschen – können sich zusätzlich bakteriell infizieren, deshalb wird oft erst ein Abstrich gemacht, bevor die antivirale Behandlung beginnt 

  • Warzen – meist durch HPV ausgelöst, übertragbar durch Hautkontakt 

  • Dellwarzen (Molluscum contagiosum) – kleine Knötchen mit Delle in der Mitte, ansteckend, heilen aber von selbst ab. Handtücher in dieser Zeit lieber nicht teilen 

Ein peristomaler Abszess entsteht, wenn sich unter der Haut am Stomarand Eiter ansammelt – meist, weil kleine Hautverletzungen oder anhaltende Reizungen Bakterien den Weg ins Gewebe öffnen. Spürbar wird das durch eine schmerzhafte, gerötete, oft warme Schwellung; manchmal entleert sich von selbst etwas Eiter. Bei Menschen mit Morbus Crohn kommt das etwas häufiger vor. Ihr Arzt kann meist schon durch Abtasten und Anschauen einschätzen, wie tief die Entzündung sitzt, gelegentlich hilft zusätzlich Ultraschall. Behandelt wird zunächst mit Antibiotika unter engmaschiger Kontrolle. Bessert sich die Schwellung nicht, kann eine kleine Drainage nötig werden, die meist rasch Linderung bringt.  

Wichtig: Drücken oder öffnen Sie einen Abszess niemals selbst und melden Sie sich frühzeitig, denn unbehandelt kann er auch die Haftung Ihrer Versorgung beeinträchtigen. 

Wann Sie sich Hilfe holen sollten 

Im Zweifel lieber einmal zu viel fragen: Ihr Arzt kann schnell einschätzen, ob es sich um eine Infektion handelt – und Ihnen sofort helfen. 

FAQ: Stomainfektion

Was tun bei einer Stomainfektion? 

Melden Sie sich bei Ihrem Arzt. Ein Abstrich zeigt, worum es sich handelt, danach folgt die passende Behandlung. 

Wie wird eine Stomainfektion behandelt? 

Das hängt von der Ursache ab: Bakterien werden meist mit Antibiotika behandelt, Pilze mit Creme oder Puder, Viren nur bei Bedarf. 

Wie erkenne ich eine infizierte Stomahaut? 

Typisch sind Schwellung, veränderte Hautfarbe, Ausfluss von Blut oder Eiter sowie zunehmende Schmerzen. 

Was ist eine Stomainfektion? 

Eine Entzündung der Haut oder des Gewebes rund ums Stoma – ausgelöst durch Bakterien, Pilze oder Viren, meist weil die Haut vorher schon gereizt oder verletzt war.