

Sally Wright arbeitet seit über 15 Jahren als Stomatherapeutin und bietet Betroffenen nach einer Stoma-Operation spezialisierte Pflege, Aufklärung und Unterstützung im ambulanten Bereich. Sally weiß, dass der Genesungsweg für jeden Patienten und jede Patientin individuell verläuft, und interessiert sich besonders für die psychologischen Aspekte der Anpassung an ein Leben mit Stoma. Ihre frühere Tätigkeit als Dermatologie-Schwester hat ihr gezeigt, wie wichtig das emotionale Wohlbefinden ist, wenn man sich mit körperlichen Veränderungen und deren Einfluss auf das Selbstwertgefühl auseinandersetzt.
Stomaprolaps, Stomaretraktion und Stomastenose
Stomaprolaps
Ein Prolaps liegt vor, wenn der Darm weiter als gewöhnlich durch das Stoma nach außen tritt, sodass dieses länger oder stärker geschwollen erscheint als normal. Viele Fälle lassen sich konservativ behandeln, etwa durch Hinlegen, sanften Druck und Stützkleidung. Ein ausgeprägter Prolaps kann die Stomaversorgung oder die Darmfunktion beeinträchtigen, und in manchen Fällen kann bei Komplikationen ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein.
Frühwarnzeichen eines Prolapses
- Zunahme der Länge oder des Umfangs des Stomas, da es breiter werden kann
- Veränderung der Stomafarbe (dunkel/livide) oder zunehmende Schwellung (Ödem)
- Das Stoma tritt beim Stehen, Husten oder Pressen stärker hervor
- Schwierigkeiten, eine sichere Abdichtung der Versorgung aufrechtzuerhalten
- Hautreizungen im Bereich um das Stoma durch Auslaufen
- Schmerzen, verringerte Ausscheidung oder Anzeichen eines Darmverschlusses (z. B. das Stoma funktioniert nicht mehr, zunehmende Bauchschmerzen oder Übelkeit/Erbrechen)
Klinisches Management
Die Stomagröße wird beurteilt und auf eine Zunahme hin beobachtet
- Es wird auf eine gesunde, rote/feuchte Farbe, normale Ausscheidung sowie Anzeichen eines Darmverschlusses (das Stoma funktioniert nicht mehr) oder einer Ischämie (das Stoma verfärbt sich dunkel/livide) geachtet
- Ein weicher Prolaps mit weiterhin vorhandener Ausscheidung kann anfangs oft konservativ behandelt werden
- Schwellungen werden wo sinnvoll reduziert und die Versorgung optimiert angepasst – eine Stomapflegekraft kann bei der Anpassung der Versorgung helfen und prüfen, ob der Beutel ausreichend Platz für die größere Stomagröße bietet, ohne dass die Öffnung zu eng ist
- Ein anhaltender, symptomatischer oder komplizierter Prolaps kann eine chirurgische Abklärung und Revision erfordern
- Eine notfallmäßige Abklärung ist erforderlich bei einem dunklen/lividen Stoma, starken Schmerzen, deutlicher Blutung oder Anzeichen eines Darmverschlusses
Stomaretraktion
Eine Retraktion liegt vor, wenn sich das Stoma zurückzieht oder unter das Hautniveau absinkt, statt leicht darüber hinauszuragen. Dies kann die Passform des Stomabeutels beeinträchtigen und zu Undichtigkeiten führen, was wiederum die umliegende Haut reizen und schädigen kann. Behandelt wird dies häufig mit konvexen Versorgungssystemen, Barrierringen oder Pasten, die die Abdichtung verbessern; bei anhaltenden oder komplexen Fällen kann gelegentlich eine weitere Operation nötig sein.
Frühwarnzeichen einer Retraktion
- Das Stoma liegt bündig mit der Bauchdecke oder sinkt unter das Hautniveau
- Häufiges Auslaufen unter der Versorgung
- Reizungen oder wunde Haut im Bereich um das Stoma
- Verringerte Fähigkeit, eine sichere Abdichtung des Beutels aufrechtzuerhalten
- Fortschreitendes Absinken des Übergangs zwischen Schleimhaut und Haut
Klinisches Management
- Es werden beitragende Faktoren identifiziert, etwa Zug am Darm nach der Operation, Gewichtsveränderungen oder eine erschwerte Wundheilung aufgrund anderer Vorerkrankungen
- Ihre Stomapflegekraft überprüft die Versorgung und bietet Unterstützung
- Ein konvexes Produkt, Ring, Dichtung oder Paste kann bei Bedarf unter Anleitung Ihrer Stomapflegekraft eingeführt werden
- Damit verbundene Hautschäden oder Undichtigkeiten werden zeitnah behandelt
- Eine deutliche oder fortschreitende Retraktion, insbesondere in Verbindung mit einer Stenose oder einem Darmverschluss, kann eine chirurgische Revision erfordern
Stomastenose
Eine Stenose ist eine abnormale Verengung der Stomaöffnung, die den Durchtritt von Stuhl erschwert. Das Stoma kann dabei unterhalb der Hautoberfläche liegen, statt ausreichend darüber hinauszuragen. Zu den Symptomen zählen bandartig dünner Stuhl und schmerzhafte Entleerung; eine ausgeprägte Stenose kann Bauchschmerzen, Blähungen oder einen Darmverschluss verursachen. Die Behandlung kann eine digitale Dilatation durch eine Stomapflegekraft umfassen, in schweren Fällen kann eine rekonstruktive Operation nötig sein.
Frühwarnzeichen einer Stenose
- Abnehmende oder zunehmend erschwerte Stomaausscheidung
- Schmales, bandartiges Stuhlverhalten bei einer Kolostomie
- Bauchkrämpfe oder Blähungen
- Zunehmender Pressdrang bei der Entleerung
- Episoden eines teilweisen Darmverschlusses
- Eine sich zunehmend verkleinernde Stomaöffnung
Klinisches Management
- Es werden Hydration und Bauchsymptome (z. B. Schmerzen) beurteilt sowie geprüft, ob das Stoma weiterhin aktiv ist und regelmäßig Ausscheidung erfolgt
- Es wird nach einer zugrunde liegenden Ursache gesucht, etwa Vernarbung, Ischämie, Retraktion oder einer entzündlichen Erkrankung
- Eine leichte Stenose kann unter fachärztlicher Aufsicht mitunter konservativ behandelt werden
- Eine fortschreitende oder symptomatische Stenose kann eine Dilatation durch Ihre Stomapflegekraft erfordern
- In schweren Fällen kann eine koloproktologische bzw. chirurgische Beurteilung und ggf. eine operative Revision erforderlich sein
- Eine dringende Abklärung ist erforderlich, wenn keine Stomaausscheidung erfolgt und gleichzeitig Bauchschmerzen, ein aufgeblähter Bauch, Erbrechen oder andere Anzeichen eines Darmverschlusses auftreten
Jede plötzliche Veränderung der Stomafarbe, starke Schmerzen, deutliche Blutung, ausbleibende Ausscheidung, Erbrechen oder ein aufgeblähter Bauch sollten als möglicher Notfall behandelt werden – und nicht als gewöhnliches Versorgungsproblem.
FAQ: Stomaprolaps, Stomaretraktion und Stomastenose
Was ist ein Stomaprolaps?
Ein Stomaprolaps liegt vor, wenn der Darm weiter als gewöhnlich durch das Stoma nach außen tritt, sodass es länger oder geschwollener wirkt. Leichte Fälle werden oft mit Ruhe, sanfter Unterstützung und der passenden Versorgung behandelt, doch ein dunkel/livide verfärbtes Stoma oder starke Schmerzen bzw. Blutungen erfordern eine notfallmäßige Abklärung.
Was ist eine Stomaretraktion?
Eine Stomaretraktion liegt vor, wenn das Stoma unter das Hautniveau absinkt, statt leicht hervorzuragen, was häufig zu Undichtigkeiten und Hautreizungen führt, da die Versorgung nicht mehr richtig abdichten kann. Behandelt wird dies meist mit konvexen Produkten, Barrieringen oder Pasten; eine Operation ist anhaltenden oder komplexen Fällen vorbehalten.
Was ist eine Stomastenose?
Eine Stenose ist eine Verengung der Stomaöffnung, die den Durchtritt der Ausscheidung erschwert und häufig zu dünnem, bandartigem Stuhl, Krämpfen und Blähungen führt. Leichte Fälle werden mitunter nur beobachtet, während eine fortschreitende oder symptomatische Stenose häufig mit einer Dilatation durch die Stomapflegekraft behandelt wird.
Kann ein Stomaprolaps ohne Operation behandelt werden?
Häufig ja, besonders wenn der Prolaps weich ist und weiterhin Ausscheidung erfolgt – zunächst werden meist konservative Maßnahmen wie Ruhe, sanfter Druck, Stützkleidung und eine Anpassung der Versorgung versucht. Eine Operation ist in der Regel anhaltenden, symptomatischen oder komplizierten Fällen vorbehalten.
Wann sollte ich bei einer Stomakomplikation eine Notaufnahme aufsuchen?
Ein dunkel/livide verfärbtes Stoma, starke Bauchschmerzen, deutliche Blutungen, ausbleibende Stomaausscheidung, Erbrechen oder ein aufgeblähter Bauch sollten als möglicher Notfall behandelt werden – suchen Sie in diesem Fall zeitnah eine ärztliche Abklärung auf, statt auf einen regulären Termin zu warten.
An wen wende ich mich, wenn ich Frühwarnzeichen bemerke?
Ihre Stomapflegekraft ist die erste Anlaufstelle bei Veränderungen wie Undichtigkeiten, Hautreizungen oder einer veränderten Erscheinung bzw. Funktion Ihres Stomas – eine frühzeitige Kontrolle kann oft verhindern, dass sich eine Komplikation verschlimmert.