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Ihre erste Stomaversorgung: Ein Leitfaden für Einsteiger:innen

Wenn Sie neu stomaversorgt sind oder eine Stomaoperation bevorsteht, kann die Wahl Ihrer ersten Stomaversorgung anfangs überfordernd wirken — das ist völlig normal. Es gibt unterschiedliche Versorgungssysteme, Größen, Funktionen und Zubehörteile, und es kann schwerfallen zu wissen, wo man anfangen soll. Dieser Leitfaden hilft Ihnen, die Grundlagen zu verstehen, worauf Sie achten sollten, und sich bei der Auswahl sicherer zu fühlen.

Sally Wright arbeitet seit über 15 Jahren als Stomatherapeutin und bietet Betroffenen nach einer Stoma-Operation spezialisierte Pflege, Aufklärung und Unterstützung im ambulanten Bereich. Sally weiß, dass der Genesungsweg für jeden Patienten und jede Patientin individuell verläuft, und interessiert sich besonders für die psychologischen Aspekte der Anpassung an ein Leben mit Stoma. Ihre frühere Tätigkeit als Dermatologie-Schwester hat ihr gezeigt, wie wichtig das emotionale Wohlbefinden ist, wenn man sich mit körperlichen Veränderungen und deren Einfluss auf das Selbstwertgefühl auseinandersetzt.

Was ist eine Stomaversorgung?

Eine Stomaversorgung wird manchmal auch als Stomabeutel bezeichnet. Sie ist dafür konzipiert, den Ausscheidungsstrom aus Ihrem Stoma aufzufangen.

Welche Art von Versorgung Sie benötigen, hängt von der Art Ihres Stomas ab. Es gibt drei Haupttypen:

  • Kolostomie: aus dem Dickdarm angelegt.
  • Ileostomie: aus dem Dünndarm (Ileum) angelegt.
  • Urostomie: ermöglicht das Ableiten von Urin über ein Stoma.

Auch wenn alle Stomaversorgungen dieselbe Grundfunktion erfüllen — die sichere Auffangung der Ausscheidungen — gibt es sie in vielen unterschiedlichen Ausführungen.

Ihre Stomapflegekraft hilft Ihnen in der Regel bei der Auswahl und Anpassung Ihrer ersten Versorgung. Sobald Sie sich mit Ihrem Stoma vertrauter fühlen, möchten Sie vielleicht andere Optionen ausprobieren, um das für Sie passende System zu finden.

Ausstreifbare, geschlossene oder Urostomiebeutel

Welche Art von Beutel für Sie geeignet ist, hängt in der Regel von der Art Ihres Stomas und der Konsistenz bzw. Art der Ausscheidung ab.

Ausstreifbare Beutel – haben am unteren Ende eine Öffnung, durch die der Inhalt entleert werden kann. Sie werden häufig von Menschen mit Ileostomie verwendet, deren Ausscheidung dünnflüssiger ist, gelegentlich auch von Menschen mit Kolostomie.

Geschlossene Beutel – haben keine Entleerungsöffnung. Stattdessen wird der gesamte Beutel bei Bedarf entfernt und ausgetauscht. Sie eignen sich für eher geformte bis halbfeste Ausscheidungen.

Urostomiebeutel – sind speziell für das Auffangen von Urin konzipiert. Sie verfügen meist über einen Ablasshahn oder -stopfen am unteren Ende und können nachts an einen größeren Auffangbeutel angeschlossen werden.

Ihre Stomapflegekraft kann Ihnen erklären, welcher Typ für Ihre individuellen Bedürfnisse am besten geeignet ist.

Ein- oder zweiteilig: Was ist der Unterschied?

Eine wichtige Entscheidung ist die Wahl zwischen einem ein- oder zweiteiligen System.

Einteiliges System – bei einem einteiligen System sind Basisplatte und Beutel fest miteinander verbunden. Die gesamte Versorgung wird gemeinsam entfernt und ersetzt. Manche Menschen bevorzugen einteilige Systeme, da sie einfach in der Handhabung, flexibel und unter der Kleidung diskret sein können.

Zweiteiliges System – bei einem zweiteiligen System wird die Basisplatte auf der Haut rund um das Stoma befestigt, während der Beutel separat angebracht wird. So kann der Beutel gewechselt werden, ohne die Basisplatte jedes Mal entfernen zu müssen. Manche schätzen diese Flexibilität, auch wenn sich das System je nach Produkt etwas anders oder auffälliger anfühlen kann.

Keine der beiden Optionen ist grundsätzlich besser. Ihre Wahl kann von Komfort, Fingerfertigkeit, Hautempfindlichkeit, Lebensstil und persönlichen Vorlieben abhängen.

Den richtigen Sitz finden

Ein guter Sitz ist einer der wichtigsten Aspekte bei der Wahl und Nutzung einer Stomaversorgung.

Die Öffnung der Basisplatte sollte eng um Ihr Stoma anliegen, ohne darauf zu drücken. Ist zu viel Haut freiliegend, kann die Ausscheidung mit der Haut in Kontakt kommen und Reizungen verursachen. Ist die Öffnung zu eng, kann sie am Stoma reiben oder es verletzen.

In den ersten 6 Wochen nach der Operation verändert sich Ihr Stoma in Größe und Form, während die innere Schwellung zurückgeht. Das bedeutet, dass Sie Ihr Stoma regelmäßig ausmessen und die Öffnung Ihrer Versorgung selbst anpassen müssen, mit Unterstützung Ihrer Stomapflegekraft.

Nach etwa 6–8 Wochen hat sich die Schwellung meist vollständig zurückgebildet, und Ihr Stoma bleibt in der Regel bei dieser Größe. Das ist ein guter Zeitpunkt, um sich von Ihrer Stomapflegekraft erneut ausmessen zu lassen — die Öffnung Ihres Stomabeutels kann dann von Ihrem Lieferanten passgenau zugeschnitten werden.

Flache oder konvexe Basisplatten

Im Zusammenhang mit Stomaversorgungen hören Sie vielleicht auch die Begriffe „flach" und „konvex".

  • Eine flache Basisplatte liegt relativ eben auf der Haut auf und eignet sich gut, wenn das Stoma über das Hautniveau hervortritt und der umliegende Bereich recht eben ist.
  • Eine konvexe Basisplatte hat eine gewölbte Form, die einen sanften Druck rund um das Stoma ausübt. Sie kann in bestimmten Situationen hilfreich sein, etwa wenn ein Stoma auf Hautniveau oder darunter liegt.

Konvexität ist nicht für jeden notwendig, und es gibt unterschiedliche Tiefen und Ausführungen. Am besten besprechen Sie dies mit Ihrer Stomapflegekraft, insbesondere wenn Sie neu diagnostiziert sind oder unter Leckagen leiden.

Berücksichtigen Sie Ihre Körperform

Jeder Körper ist anders, und der Bereich um Ihr Stoma kann beeinflussen, wie gut eine Versorgung sitzt.

Faktoren, die Ihre Wahl beeinflussen können:

  • Hautfalten
  • Narben
  • Position und Form des Stomas
  • Ob das Stoma hervortritt oder nah am Hautniveau liegt
  • Veränderungen der Körperform beim Sitzen, Stehen oder Bewegen

Eine Versorgung, die bei einer Person gut funktioniert, muss bei einer anderen nicht genauso gut passen. Deshalb sind individuelle Anpassung und das Ausprobieren verschiedener Produkte so wichtig.

Denken Sie an Ihren Alltag

Ihre Stomaversorgung sollte Ihren Alltag unterstützen, statt ihn unnötig einzuschränken. Denken Sie bei der Wahl an die Aktivitäten, die Ihnen wichtig sind — etwa Arbeit, Sport, Schwimmen, Reisen, Schlaf, Kleidung oder die Betreuung von Kindern.

Folgende Fragen können hilfreich sein:

  • Wie einfach lässt sich der Beutel entleeren oder wechseln?
  • Fühlt er sich beim Sitzen und Bewegen angenehm an?
  • Wie sitzt er unter meiner gewohnten Kleidung?
  • Fühle ich mich sicher, ihn beim Sport oder bei anderen Aktivitäten zu tragen?
  • Lässt sich der Ablass leicht öffnen und schließen?
  • Kann ich die Versorgung mit meiner Handkraft bzw. Fingerfertigkeit gut handhaben?

Die Haut um Ihr Stoma schützen

Die Haut rund um Ihr Stoma, die peristomale Haut, sollte idealerweise ähnlich aussehen und sich ähnlich anfühlen wie die übrige Haut an Ihrem Bauch.

Anhaltende Rötung, wunde Stellen, offene Haut, Juckreiz oder Beschwerden sollten nicht einfach als normaler Teil des Lebens mit einem Stoma hingenommen werden. Diese Symptome können auf eine Leckage, ein Problem mit dem Sitz, eine Produktunverträglichkeit oder ein anderes Problem hinweisen, das behandelt werden sollte.

Eine gut sitzende Versorgung ist ein wichtiger Bestandteil des Hautschutzes. Zusätzliche Produkte wie Hautschutzringe, Dichtungen, Puder, Sprays oder Pflasterentferner können hilfreich sein, sind aber nicht für jeden notwendig.

Mehr Produkte zu verwenden bedeutet nicht automatisch besseren Schutz. Ihre Stomapflegekraft kann Ihnen helfen zu entscheiden, was für Sie geeignet ist.

Muster ausprobieren kann helfen

Viele Hersteller von Stomaprodukten bieten Muster an, sodass Sie verschiedene Versorgungssysteme ausprobieren können, bevor Sie sich entscheiden.

Beim Testen einer neuen Versorgung sollten Sie Folgendes beachten:

  • Komfort auf der Haut
  • Einfachheit beim Anlegen und Entfernen
  • Wie gut die Basisplatte auf der Haut haftet
  • Wie sich der Beutel beim Füllen anfühlt
  • Einfachheit der Entleerung
  • Wie Ihre Haut nach dem Entfernen der Versorgung aussieht
  • Wie sie sich im normalen Alltag bewährt

Es kann hilfreich sein, jeweils nur eine Sache auf einmal zu verändern. Probieren Sie mehrere neue Produkte oder Zubehörteile gleichzeitig aus, ist es schwer zu erkennen, was sich positiv oder negativ ausgewirkt hat.

Leckagen sind ein Zeichen, den Sitz Ihrer Versorgung zu überprüfen

Gelegentliche Probleme können vorkommen, insbesondere während Sie noch lernen, mit Ihrem Stoma umzugehen. Häufige Leckagen sollten Sie jedoch nicht einfach hinnehmen müssen.

Wiederholte Leckagen können mit dem Sitz der Versorgung, Veränderungen Ihres Stomas oder Ihrer Körperform, dem Zustand der umliegenden Haut oder der Art der Anwendung zusammenhängen.

Treten Leckagen regelmäßig auf, wenden Sie sich an Ihre Stomapflegekraft. Eine kleine Anpassung des Sitzes oder ein anderes Produkt können bereits einen deutlichen Unterschied machen.

Ihre erste Stomaversorgung muss nicht Ihre dauerhafte Versorgung sein

Die Versorgung, die Sie direkt nach der Operation verwenden, ist nicht zwangsläufig die, die Sie langfristig nutzen. Nichts ist in Stein gemeißelt — Sie können später, wenn sich alles eingespielt hat und Sie sich sicherer fühlen, verschiedene Versorgungen ausprobieren.

Ihr Stoma und Ihr Körper können sich während der Genesung verändern. Vielleicht stellen Sie auch fest, dass Sie eine andere Beutelform, einen anderen Ablass, Filter, eine andere Basisplatte oder ein anderes System (ein- oder zweiteilig) bevorzugen.

Ein Produktwechsel bedeutet nicht, dass Sie mit Ihrer vorherigen Versorgung „gescheitert" sind. Stomaversorgung ist sehr individuell, und die eigenen Bedürfnisse im Laufe der Zeit zu überprüfen, gehört ganz normal dazu.

Das Richtige für Sie finden

Bei der Wahl Ihrer ersten Stomaversorgung geht es nicht darum, sofort das „perfekte" Produkt zu finden. Es geht darum, ein System zu finden, das einen sicheren Sitz bietet, Ihre Haut schützt, sich angenehm anfühlt und zu Ihrem Alltag passt.

Geben Sie sich Zeit, herauszufinden, was zu Ihnen passt. Ihre Bedürfnisse können sich mit der Zeit ändern, und es stehen viele verschiedene Produkte und Optionen zur Verfügung.

Am wichtigsten: Sie müssen diese Entscheidungen nicht allein treffen. Ihre Stomapflegekraft kann Ihr Stoma beurteilen, passende Optionen empfehlen, bei Problemen unterstützen und Sie dabei begleiten, sich mit Ihrem Stoma vertrauter zu fühlen.

Mit dem richtigen Sitz, passender Unterstützung und etwas Zeit, herauszufinden, was für Ihren Körper funktioniert, kann der Umgang mit Ihrem Stoma zu einem vertrauten Teil Ihres Alltags werden.

FAQ: Ihre erste Stomaversorgung

Was ist eine Stomaversorgung?

Eine Stomaversorgung, auch Stomabeutel genannt, ist dafür konzipiert, die Ausscheidungen aus Ihrem Stoma sicher aufzufangen. Welche Art Sie benötigen, hängt davon ab, ob Sie eine Kolostomie, Ileostomie oder Urostomie haben.

Was ist der Unterschied zwischen ausstreifbaren, geschlossenen und Urostomiebeuteln?

Ausstreifbare Beutel haben am unteren Ende eine Öffnung zum Entleeren und werden häufig bei Ileostomien verwendet. Geschlossene Beutel haben keine Öffnung und werden komplett ausgetauscht — sie eignen sich für eher geformte Ausscheidungen. Urostomiebeutel sind speziell für Urin konzipiert und verfügen meist über einen Ablasshahn oder -stopfen.

Sollte ich ein ein- oder zweiteiliges System wählen?

Keine der beiden Optionen ist grundsätzlich besser — die Wahl hängt von Komfort, Fingerfertigkeit, Hautempfindlichkeit und Lebensstil ab. Bei einteiligen Systemen sind Basisplatte und Beutel fest verbunden, bei zweiteiligen Systemen kann der Beutel gewechselt werden, ohne die Basisplatte jedes Mal zu entfernen.

Woran erkenne ich, ob meine Versorgung richtig sitzt?

Die Öffnung der Basisplatte sollte eng um Ihr Stoma anliegen, ohne darauf zu drücken. In den ersten 6 Wochen nach der Operation verändert sich Ihr Stoma in Größe und Form, weshalb regelmäßiges Ausmessen und Anpassen in dieser Zeit normal ist.

Was ist der Unterschied zwischen flachen und konvexen Basisplatten?

Eine flache Basisplatte liegt eben auf der Haut auf und eignet sich, wenn das Stoma hervortritt und der umliegende Bereich eben ist. Eine konvexe Basisplatte übt sanften Druck rund um das Stoma aus und kann hilfreich sein, wenn das Stoma auf Hautniveau oder darunter liegt.

Wird meine erste Versorgung auch meine dauerhafte Versorgung sein?

Nicht unbedingt. Ihr Stoma und Ihr Körper können sich während der Genesung verändern, und viele Menschen probieren im Laufe der Zeit verschiedene Produkte aus, um das für sie passende zu finden. Ein Produktwechsel ist kein Zeichen dafür, dass etwas falsch gelaufen ist.

Was soll ich tun, wenn ich häufig Leckagen habe?

Gelegentliche Probleme sind normal, während Sie noch lernen — häufige Leckagen sollten Sie jedoch nicht einfach hinnehmen müssen. Wenden Sie sich an Ihre Stomapflegekraft, da oft schon eine kleine Anpassung des Sitzes oder ein anderes Produkt Abhilfe schafft.