

Das passende Reiseziel wählen
Gerade nach einer Stomaoperation oder wenn Sie zum ersten Mal mit einem Stoma verreisen, empfiehlt es sich, zunächst ein Reiseziel innerhalb Deutschlands oder im deutschsprachigen Ausland zu wählen. So können Sie erste Erfahrungen sammeln, ohne sich zusätzlich mit Sprachbarrieren oder ungewohnten Gesundheitssystemen auseinandersetzen zu müssen.
Mit zunehmender Reiseerfahrung können Sie Ihr Urlaubsziel selbstverständlich erweitern. Informieren Sie sich jedoch bereits vor Reiseantritt über die hygienischen Standards und die medizinische Versorgung vor Ort. Besonders in Ländern mit eingeschränkter Trinkwasserqualität sollten Sie einige Vorsichtsmaßnahmen beachten.
Hilfreich ist es außerdem, sich vorab darüber zu informieren, wie Ihre Stomaversorgung im Reiseland bezeichnet wird und wo sich Apotheken oder Fachhändler befinden. Sollte unerwartet zusätzliches Versorgungsmaterial benötigt werden, spart dies wertvolle Zeit.
Die optimale Reisevorbereitung
Eine gute Vorbereitung ist der wichtigste Schritt für einen entspannten Urlaub.
Als Faustregel gilt:
Nehmen Sie mindestens die doppelte Menge der Stomaprodukte mit, die Sie zu Hause für denselben Zeitraum benötigen würden.
Im Urlaub können verschiedene Faktoren den Verbrauch erhöhen:
- hohe Temperaturen und verstärktes Schwitzen
- häufigeres Baden oder Schwimmen
- ungewohnte Ernährung
- veränderte Tagesabläufe
- Magen-Darm-Infekte oder Durchfall
Wer normalerweise geschlossene Beutel verwendet, sollte zusätzlich einige ausstreifbare Beutel einpacken. Diese können bei Durchfall deutlich angenehmer sein.
Ebenso sinnvoll ist es, verschiedene Versorgungssysteme mitzunehmen. Kleinere Beutel eignen sich beispielsweise besonders gut für den Strand oder das Schwimmbad, während Modelle mit größerem Fassungsvermögen auf längeren Reisen oder Flügen mehr Komfort bieten.
Checkliste: Was gehört ins Reisegepäck?
Neben ausreichend Stomabeuteln und Basisplatten sollten Sie folgende Utensilien nicht vergessen:
- einige zusätzliche ausstreifbare Beutel
- Hautschutzprodukte
- Pflasterlöser
- unparfümierte Reinigungstücher
- Entsorgungsbeutel
- ein separates Schnellwechsel-Set für unterwegs
- Ersatzkleidung
- notwendige Medikamente
- Mittel gegen Durchfall sowie Elektrolyt- oder Rehydrationslösungen
- Händedesinfektion
- wichtige medizinische Unterlagen
Bewahren Sie Ihre Versorgung möglichst auf mehrere Gepäckstücke verteilt auf. Der größte Teil sollte im Handgepäck mitgeführt werden, gleichzeitig empfiehlt es sich, einen Teil im Aufgabegepäck zu verstauen. So bleiben Sie auch bei verlorenem Gepäck handlungsfähig.
Im Handgepäck sollte sich zusätzlich ein kleines Notfallset befinden, das jederzeit griffbereit ist. Dieses enthält idealerweise einige Beutel, Reinigungstücher, Entsorgungsbeutel sowie weiteres Zubehör für einen schnellen Versorgungswechsel unterwegs.
Reiseversicherung und wichtige Dokumente
Vor allem bei Auslandsreisen empfiehlt sich der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung. Geben Sie Ihr Stoma und bestehende Vorerkrankungen bereits beim Abschluss der Versicherung an. Werden relevante Vorerkrankungen verschwiegen, kann dies den Versicherungsschutz gefährden.
Innerhalb Europas sollten Sie außerdem Ihre Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) beziehungsweise – je nach Wohnsitz – die entsprechende Krankenversicherungskarte mitführen. Diese ersetzt jedoch keine private Auslandskrankenversicherung.
Ebenso empfehlenswert sind folgende Dokumente:
- Stomapass
- internationales Stoma-Reisezertifikat (Travel Certificate)
- aktueller Arztbrief
- Medikamentenplan
- Notfallkontakte
Das internationale Reisezertifikat erklärt in mehreren Sprachen, warum Sie Stomaversorgung und medizinisches Zubehör im Handgepäck mitführen müssen. Dies erleichtert häufig die Sicherheitskontrollen an Flughäfen erheblich.


Fliegen mit Stoma: Entspannt durch die Sicherheitskontrolle
Viele Betroffene fragen sich vor der ersten Flugreise, ob Fliegen mit einem Stoma überhaupt möglich ist. Die Antwort lautet eindeutig: Ja.
Jeden Tag reisen Menschen mit einem Stoma problemlos mit dem Flugzeug. Mit einigen einfachen Vorbereitungen verläuft die Reise meist völlig unkompliziert.
Planen Sie ausreichend Zeit für den Check-in und die Sicherheitskontrolle ein. Sollten Fragen zu Ihrer medizinischen Versorgung entstehen, geraten Sie dadurch nicht unter Zeitdruck.
Einige praktische Tipps erleichtern die Flugreise zusätzlich:
- Schneiden Sie Ihre Basisplatten bereits vor Reisebeginn zu, da Scheren nicht ins Handgepäck gehören.
- Verwenden Sie möglichst Pflasterlöser-Tücher anstelle von Sprays, um die Flüssigkeitsbestimmungen einzuhalten.
- Entleeren Sie Ihren Beutel kurz vor dem Boarding.
- Wählen Sie nach Möglichkeit einen Sitzplatz am Gang in Toilettennähe.
- Bei einer Kontrolle dürfen Sie jederzeit um eine diskrete Untersuchung in einem separaten Raum bitten.
Während des Fluges kann sich durch den veränderten Kabinendruck mehr Gas im Beutel bilden. Das ist völlig normal. Entleeren Sie den Beutel bei Bedarf einfach auf der Flugzeugtoilette.
Um Blähungen möglichst gering zu halten, empfiehlt es sich bereits ein bis zwei Tage vor dem Flug auf stark blähende Speisen sowie größere Mengen kohlensäurehaltiger Getränke zu verzichten. Trinken Sie während des Fluges ausreichend Wasser, um einer Dehydrierung vorzubeugen.
Reisen mit Auto, Bahn und Wohnmobil
Auch ohne Flugzeug lässt sich ein Urlaub mit Stoma komfortabel gestalten. Besonders bei Reisen mit dem Auto oder Wohnmobil haben Sie den Vorteil, flexibel Pausen einplanen und Ihre Versorgung jederzeit in Ruhe wechseln zu können.
Planen Sie Ihre Route so, dass regelmäßige Stopps an gut ausgestatteten Raststätten möglich sind. Achten Sie darauf, dass Toiletten sauber und möglichst barrierefrei sind. In vielen europäischen Ländern gibt es zudem Zugangssysteme wie den sogenannten Euroschlüssel, der Zugang zu behindertengerechten Toiletten ermöglicht.
Bei längeren Autofahrten kann ein Sicherheitsgurt direkt auf das Stoma drücken. Spezielle Stomaschutz- oder Protektor-Systeme können hier für zusätzlichen Komfort sorgen.
Bahnreisen
Bei Bahnreisen empfiehlt es sich, den Mobilitätsservice des jeweiligen Anbieters zu nutzen, insbesondere bei längeren Strecken oder Umstiegen. Sitzplatzreservierungen in der Nähe von Toiletten erhöhen den Komfort erheblich.
Ernährung und Hygiene im Urlaub
Eine veränderte Ernährung gehört zu den häufigsten Faktoren, die den Stuhlgang während einer Reise beeinflussen. Neue Gewürze, ungewohnte Speisen oder veränderte Wasserqualität können zu weicheren oder unregelmäßigen Stuhlgängen führen.
Achten Sie daher auf folgende Punkte:
- bevorzugen Sie hygienisch einwandfrei zubereitete Speisen
- waschen Sie Obst und Gemüse nur mit sicherem Trinkwasser
- vermeiden Sie Leitungswasser in Ländern mit unsicherer Wasserqualität
- trinken Sie nur abgefülltes oder abgekochtes Wasser
seien Sie vorsichtig mit Eiswürfeln
Hitze, Flüssigkeit und Hautschutz
Warme Klimazonen stellen besondere Anforderungen an die Stomaversorgung. Durch vermehrtes Schwitzen kann die Haftung der Basisplatte beeinträchtigt werden, wodurch ein häufigerer Wechsel notwendig werden kann.
Hilfreiche Maßnahmen:
- Haut vor dem Anbringen der Versorgung vollständig trocknen
- bei Bedarf kurz mit kühler Föhnhitze arbeiten
- Stomamaterial kühl und trocken lagern
- direkte Sonneneinstrahlung auf Materialien vermeiden
Auch die Flüssigkeitszufuhr ist besonders wichtig. In warmen Ländern steigt der Bedarf deutlich. Trinken Sie regelmäßig Wasser und ergänzen Sie bei Bedarf Elektrolyte.
Schwimmen, Strand und Wassersport
Ein Stoma ist kein Hindernis für Wasseraktivitäten. Schwimmen im Meer oder Pool ist problemlos möglich. Moderne Versorgungssysteme sind wasserfest und halten in der Regel sehr gut.
Einige Tipps für den Strand:
- vor dem Schwimmen Filter abkleben
- nach dem Schwimmen die Versorgung gut trocknen lassen
- erst nach vollständigem Trocknen wechseln, um Klebereste zu vermeiden
Für mehr Diskretion gibt es spezielle Stomabademode oder Stomakappen (je nach Stomaart). Auch Neopren-Badegürtel können zusätzlichen Halt beim Schwimmen oder Wassersport bieten.
Aktivurlaub und Camping
Auch sportliche Aktivitäten wie Wandern, Radfahren oder leichte Outdoor-Sportarten sind in der Regel problemlos möglich. Wichtig ist, immer ausreichend Ersatzmaterial mitzuführen.
Beim Camping empfiehlt es sich:
- Versorgung und Hygieneartikel sicher und trocken zu lagern
- ausreichend Wasser bereitzuhalten
- Abfälle hygienisch in verschlossenen Beuteln zu entsorgen
- einen privaten, geschützten Bereich für Wechsel einzuplanen
Fazit
Ein Urlaub mit Stoma ist nicht nur möglich, sondern kann genauso erholsam und abwechslungsreich sein wie jede andere Reise. Entscheidend ist eine gute Vorbereitung: ausreichend Material, passende Dokumente, ein bewusster Umgang mit Ernährung und Flüssigkeit sowie das Wissen um praktische Alltagssituationen unterwegs.
Mit wachsender Erfahrung wird das Reisen mit Stoma zunehmend selbstverständlich – und der Fokus verschiebt sich wieder dorthin, wo er hingehört: auf Erholung, neue Eindrücke und schöne Erlebnisse.
FAQ: Reisen mit Stoma
Kann ich mit einem Stoma fliegen?
Ja, das ist möglich. Es gibt keine Einschränkungen beim Fliegen mit einem Stoma. Wichtig ist vor allem, auf Flüssigkeitsbeschränkungen zu achten (Sprays möglichst durch Tücher ersetzen), Scheren im aufgegebenen Gepäck zu transportieren und eine Reisebescheinigung mitzunehmen, um die Sicherheitskontrolle zu erleichtern.
Wie schwierig ist Reisen mit Stoma?
Es erfordert etwas mehr Planung als Reisen ohne Stoma, aber die meisten Betroffenen berichten, dass es nach ein oder zwei Reisen schnell zur Routine wird. Entscheidend ist, genügend Zeit für die Organisation von Materialien, Reisedokumenten und Versicherungen einzuplanen – idealerweise mindestens einen Monat im Voraus. Es ist außerdem hilfreich, zunächst mit kürzeren, näher gelegenen Reisen zu beginnen, um Sicherheit und Selbstvertrauen aufzubauen.
Welche Dokumente brauche ich?
Empfohlen werden ein Stomapass, ein Reisezertifikat, ggf. ein Arztbrief sowie Versicherungsnachweise.
Was passiert bei der Sicherheitskontrolle?
Sie können jederzeit eine diskrete Kontrolle in einem separaten Raum verlangen. Medizinische Hilfsmittel dürfen im Handgepäck mitgeführt werden.