Winterblues mit Stoma: Interview mit Ambassador Ed
Wenn die Tage kürzer und kälter werden, bemerken viele von uns eine Veränderung ihrer Stimmung und Motivation, und das Leben mit Stoma kann zusätzliche Fragen aufwerfen. In diesem Interview erzählt Unora Ambassador Ed, wie sich die dunklen Monate auf ihn auswirken, wie er auf seine psychische Gesundheit achtet und warum es für Männer so wichtig ist, offen zu sprechen und einander zu unterstützen.
Psychische Gesundheit im Winter: Q&A mit Ed
Merken Sie im Winter eine Veränderung Ihrer psychischen Gesundheit?
Auf jeden Fall! Ich vermisse die langen Tage und warmen Nächte des Sommers sehr, die Sonne macht so einen Unterschied. Wenn es früher dunkel wird, spüre ich das in meiner Stimmung. Aber komischerweise steigt meine Motivation fürs Fitnessstudio sogar! Ich gehe im Winter häufiger hin und trainiere härter.
Warum ist es wichtig, über die psychische Gesundheit von Männern zu sprechen?
Ich finde es enorm wichtig, aber für Männer ist es immer noch oft schwer, sich zu öffnen. Mir wurde schon gesagt, dass mich Dinge „nicht so sehr beeinflussen sollten, wie sie es tun“, und ich glaube, viele Männer spüren diesen Druck: dass von uns erwartet wird, allein damit klarzukommen. Aber das sollten wir nicht. Darüber zu sprechen hilft!
Wirkt sich der Winter auf Ihr Stoma aus?
Nicht allzu sehr, aber manchmal ist das Essen etwas schwieriger: Schwerere Wintergerichte können die Ausscheidung beeinflussen oder zu Undichtigkeiten führen. Ich werde aber immer besser darin, damit umzugehen, und weiß inzwischen, was ich meiden sollte.
Woran merken Sie, dass Ihre psychische Gesundheit nachlässt?
Selbstbewusstsein ist für mich ein großes Thema. In Sommerkleidung fühle ich mich selbstsicherer, wenn ich also in Winterklamotten eingepackt bin, fühle ich mich einfach nicht so wohl. Außerdem macht mich das viele Drinnensein oft unruhig, deshalb versuche ich rauszugehen, wann immer ich kann, und sei es nur für einen kurzen Spaziergang an einem trockenen, kalten Tag.
Was hilft Ihnen im Winter am meisten?
Die alltäglichen Dinge helfen wirklich. Meine Lieblingsserie schauen, etwas Warmes und Wohltuendes kochen oder ins Fitnessstudio gehen – das ist für mich ein großer Punkt. Training macht meinen Kopf frei, hält mich auf meine Ziele fokussiert und hilft mir, positiv zu bleiben.
Ist der Austausch mit anderen wichtig für Ihre psychische Gesundheit?
Hundertprozentig! Mit Freunden oder Familie zu sprechen macht einen riesigen Unterschied. Schon ein kurzes Gespräch, um sich zu melden, hilft. Man denkt leicht, man sei mit seinen Gefühlen allein, aber meistens gibt es jemanden, der das nachvollziehen kann.
Welche Botschaft haben Sie für Männer, die in diesem Winter zu kämpfen haben?
An alle, denen schon einmal gesagt wurde, sie sollen „ein Mann sein“: Ignorieren Sie das. Drehen Sie es um und sprechen Sie darüber. Es ist absolut keine Schande, zu kämpfen. Die Menschen um Sie herum lieben Sie und wollen helfen. Seien Sie Teil der Veränderung und zeigen Sie, dass Stärke in Ehrlichkeit liegt, nicht im Schweigen.
Haben Sie Tipps für alle, die dem Winter mit Sorge entgegensehen?
Nehmen Sie es langsam. Setzen Sie sich Grenzen und lassen Sie sich nicht drängen, zu allem Ja zu sagen. Geselligkeit kann anstrengend sein, tun Sie also, was sich für Sie richtig anfühlt. Denken Sie daran: Der Sommer ist gar nicht so weit weg! Versuchen Sie, auch das Gute am Winter zu genießen: Gehen Sie nach draußen, besuchen Sie Familie und Freunde und genießen Sie die Festtage.
Fazit
Vielen Dank an Ed, dass er so offen und ehrlich darüber spricht, wie er im Winter auf seine psychische Gesundheit achtet. Jede Erfahrung ist anders, aber seine Botschaft ist einfach: Sie sind nicht allein, und darüber zu sprechen, wie es Ihnen geht, kann viel bewirken. Weitere Erfahrungsberichte von Menschen mit Stoma finden Sie in unserem Community-Bereich. Wenn Sie im Winter auch beim Thema Essen Anregungen suchen, bietet Ihnen unser Ernährungsratgeber Stoma praktische Tipps.
FAQ: Psychische Gesundheit im Winter mit einem Stoma
Warum kann der Winter die Stimmung beeinflussen?
Viele Menschen bemerken, dass sich Stimmung, Energie und Antrieb verändern, wenn die Tage kürzer und dunkler werden. Bei manchen geht das über ein vorübergehendes Tief hinaus: Die saisonal abhängige Depression (SAD, oft „Winterdepression“ genannt) ist eine Form der Depression, die in einem jahreszeitlichen Muster auftritt, meist in der dunklen Jahreszeit. Hält die gedückte Stimmung an oder beeinträchtigt sie Ihren Alltag, sprechen Sie bitte mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
Kann sich der Winter auf mein Stoma auswirken?
Manche Menschen stellen fest, dass schwerere Wintergerichte ihre Ausscheidung verändern oder zu Undichtigkeiten führen, wie Ed es beschreibt. Jeder Körper reagiert anders. Probieren Sie neue oder reichhaltigere Speisen daher schrittweise und in kleinen Mengen aus und beobachten Sie, wie Sie darauf reagieren. Ihre Stomapflegekraft berät Sie gern individuell.
Was kann gegen den Winterblues helfen?
Ed helfen einfache Routinen im Alltag: an trockenen Tagen nach draußen gehen, Sport treiben, etwas Wohltuendes kochen und den Kontakt zu Freunden und Familie halten. Was hilft, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Es kann sich lohnen, ein paar kleine Dinge auszuprobieren und zu sehen, was Ihnen guttut.
Wie kann ich jemanden unterstützen, dem es gerade nicht gut geht?
Schon ein kurzer Kontakt kann viel bedeuten. Hören Sie ohne Wertung zu, lassen Sie die Person in ihrem eigenen Tempo erzählen und vermeiden Sie Sätze wie „Sei doch einfach wieder fröhlich“. Wenn die gedrückte Stimmung anhält, können Sie ermutigen, ärztlichen Rat zu suchen.
Wann sollte ich mir Hilfe holen?
Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, wenn Sie sich seit mehr als ein bis zwei Wochen niedergeschlagen fühlen, wenn es schlimmer wird oder wenn Schlaf, Arbeit oder Beziehungen darunter leiden. In einer akuten Krise oder bei Gedanken, sich etwas anzutun, erreichen Sie die Telefonseelsorge kostenfrei und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Im Notfall wählen Sie die 112.
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