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Was ist eine Fistel? Ratgeber für Stomaträger:innen

Der Begriff Fistel fällt im Zusammenhang mit einer Stomaoperation immer wieder, tatsächlich betrifft eine Fistel jedoch nur einen kleinen Teil der Menschen mit einem Stoma. In diesem Ratgeber erklären wir, was eine Fistel ist, welche Arten von Stomafisteln es gibt, auf welche Symptome Sie achten sollten und welche Behandlungen helfen können.

Sally Wright arbeitet seit über 15 Jahren als Stomatherapeutin und bietet Betroffenen nach einer Stoma-Operation spezialisierte Pflege, Aufklärung und Unterstützung im ambulanten Bereich. Sally weiß, dass der Genesungsweg für jeden Patienten und jede Patientin individuell verläuft, und interessiert sich besonders für die psychologischen Aspekte der Anpassung an ein Leben mit Stoma. Ihre frühere Tätigkeit als Dermatologie-Schwester hat ihr gezeigt, wie wichtig das emotionale Wohlbefinden ist, wenn man sich mit körperlichen Veränderungen und deren Einfluss auf das Selbstwertgefühl auseinandersetzt.

Was ist eine Fistel?

Eine Fistel ist ein abnormaler Gang oder Kanal, der sich zwischen zwei Körperbereichen bildet, die normalerweise nicht miteinander verbunden sind.

Es gibt zwei Hauptarten von Fisteln:

  • Innere Fisteln entstehen zwischen zwei Organen, etwa zwischen verschiedenen Darmabschnitten.
  • Äußere Fisteln, manchmal auch Hautfisteln genannt, entstehen zwischen einem inneren Organ und der Hautoberfläche.

Fisteln entwickeln sich meist nach einer Operation oder Verletzung, können aber auch durch eine Infektion oder Entzündung entstehen. Auch wenn das zunächst beunruhigend klingen mag: Viele Fisteln lassen sich gut behandeln und in den Griff bekommen.

Gastrointestinale Fisteln treten am häufigsten nach Bauchoperationen oder bei Menschen mit langfristigen Verdauungserkrankungen auf. Wenn Sie eine Stomaoperation hinter sich haben, lohnt es sich, mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt über Ihr individuelles Risiko, mögliche Warnzeichen und darüber zu sprechen, ob Ihre Stomapflegekraft etwaige Veränderungen im Blick behalten sollte.

Eine der größten Herausforderungen bei einer Fistel ist der Umgang mit der austretenden Flüssigkeit. Verdauungssäfte können sehr säurehaltig sein, daher ist der Schutz der umliegenden Haut ein wichtiger Bestandteil der laufenden Versorgung.

Was ist Fistelbildung?

Fistelbildung (Fistulation) beschreibt den Prozess, bei dem sich eine Fistel entwickelt. Sie entsteht, wenn eine Entzündung oder Infektion Gewebe schädigt und dadurch ein abnormaler Kanal zwischen Organen oder zwischen einem Organ und der Haut entsteht.

Im Darm beginnt die Fistelbildung häufig damit, dass eine Entzündung Geschwüre in der Darmschleimhaut verursacht. Diese Geschwüre können sich allmählich durch die gesamte Darmwand ausdehnen und so einen Kanal schaffen, durch den Flüssigkeit oder Infektionserreger abfließen können. Auch ein Abszess – eine Eiteransammlung – kann zur Fistelbildung führen.

Was verursacht eine Fistel?

Die meisten Darmfisteln entstehen nach einer Bauchoperation, insbesondere nach Eingriffen am Darm oder bei einer Stomaanlage. Sie können aber auch durch anhaltende Entzündungen oder andere Grunderkrankungen entstehen.

Ein erhöhtes Risiko für eine Fistel besteht unter anderem bei:

  • Bauchoperationen
  • Stomaoperationen
  • Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn
  • Geschwüren
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
  • Krebserkrankungen
  • Strahlentherapie im Bauchbereich
  • Bauchtrauma, zum Beispiel durch eine Stichverletzung

Arten von Fisteln im Zusammenhang mit einem Stoma

Nicht jede Fistel entsteht unerwartet. Manche werden während der Operation bewusst angelegt, während andere sich als Komplikation im Nachhinein entwickeln.

Die zwei wichtigsten Arten von Stomafisteln sind:

  • Schleimfistel
  • Gastrointestinale Fistel

Was ist eine Schleimfistel?

Eine Schleimfistel wird von der Chirurgin bzw. dem Chirurgen bei bestimmten Darmoperationen absichtlich angelegt.

Wird ein Teil des Darms entfernt und ein Stoma gebildet, produziert der abgetrennte Darmabschnitt weiterhin Schleim und Gas. Eine Schleimfistel ermöglicht es, dass dieser Schleim und das Gas sicher aus dem Körper austreten und in einem Stomabeutel aufgefangen werden können.

Dabei entstehen zwei Stomata, was als distale Schleimfistel bezeichnet wird.

Bei einer Loop-Ileostomie oder einem doppelläufigen Kolostoma ist in der Regel keine separate Schleimfistel erforderlich, da eine Öffnung der Schlinge den Stuhl ausleitet, während die andere den natürlichen Schleimabfluss ermöglicht.

Was ist eine gastrointestinale Fistel?

Eine gastrointestinale Fistel ist eine abnormale Öffnung, die sich im Magen oder Darm bildet.

Anstatt im Verdauungstrakt zu verbleiben, tritt Flüssigkeit aus Magen oder Darm durch diese Öffnung aus. Diese Flüssigkeit kann in ein anderes Organ gelangen oder über die Haut nach außen austreten.

Da Verdauungssäfte Enzyme und Bakterien enthalten, kann diese Art von Fistel zu Folgendem führen:

  • Infektionen
  • Dehydrierung
  • Mangelernährung
  • Eingeschränkter Nährstoffaufnahme

Spontan auftretende gastrointestinale Fisteln machen etwa 10–15 % aller Fälle aus (Quelle). Sie stehen häufig im Zusammenhang mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Darminfektionen wie einer Divertikulitis oder bösartigen Tumoren.

Morbus Crohn zählt zu den häufigsten Ursachen: Rund 40 % der Menschen mit Morbus Crohn entwickeln im Laufe ihres Lebens irgendwann eine Fistel (Quelle).

Symptome einer Fistel

Die Symptome einer Fistel hängen davon ab, wo genau sie sich befindet.

Äußere oder Hautfisteln

Äußere oder Hautfisteln führen häufig dazu, dass Flüssigkeit durch eine Öffnung in der Haut austritt. Weitere mögliche Symptome sind:

  • Bauchschmerzen
  • Schmerzhafter Darmverschluss
  • Fieber
  • Erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen

Innere Fisteln

Bei inneren Fisteln können folgende Beschwerden auftreten:

  • Durchfall
  • Rektale Blutungen
  • Blutvergiftung (Sepsis)
  • Eingeschränkte Nährstoffaufnahme
  • Gewichtsverlust
  • Dehydrierung
  • Verschlechterung der Symptome der zugrunde liegenden Erkrankung

Wie werden Fisteln behandelt?

Ärztinnen und Ärzte versuchen, die meisten Fisteln ohne Operation zu behandeln, da sich viele innerhalb von etwa fünf Wochen nach Behandlungsbeginn von selbst schließen.

Die Behandlung konzentriert sich darauf, die Heilung zu unterstützen, eine gute Ernährung sicherzustellen und Infektionen vorzubeugen.

Je nach Ursache und Schweregrad kann die Behandlung Folgendes umfassen:

  • Antibiotika
  • Immunsuppressive Medikamente, wenn Morbus Crohn die Ursache ist
  • Eine Operation zur Entfernung der Fistel und eines Darmabschnitts, falls keine Heilung eintritt
  • In manchen Fällen intravenöse Ernährung, während die Fistel abheilt

Wenn Sie ein Stoma haben, berät Sie Ihre Stomapflegekraft zum besten Umgang mit Ihrer Fistel. Je nach Menge der austretenden Flüssigkeit kann dies den Einsatz eines kleinen Stomabeutels oder eines Verbands bedeuten.

Der Schutz der umliegenden Haut ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Hautschutzsprays und Hautschutztücher werden häufig empfohlen, um die Haut vor säurehaltigen Verdauungssäften zu schützen und Wundsein zu reduzieren.

Wenn Sie neue Symptome bemerken oder vermuten, eine Fistel entwickelt zu haben, wenden Sie sich an Ihr Behandlungsteam oder Ihre Stomapflegekraft.

FAQ: Was ist eine Fistel?

Was ist die häufigste Ursache für eine Fistel?

Die häufigste Ursache für eine Fistel ist eine Bauchoperation, einschließlich einer Stomaoperation. Fisteln können auch durch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Infektionen, Abszesse, Verletzungen, Geschwüre, Krebserkrankungen oder Strahlentherapie entstehen.

Was passiert, wenn man eine Fistel hat?

Das hängt von der Art der Fistel ab. Bei manchen Fisteln tritt Verdauungsflüssigkeit in benachbarte Organe oder durch die Haut aus, was zu Infektionen, Dehydrierung oder eingeschränkter Nährstoffaufnahme führen kann. Andere, wie etwa eine Schleimfistel, werden während der Operation bewusst angelegt, damit Schleim und Gas sicher aus dem abgetrennten Darmabschnitt austreten können.

Wie sieht eine Fistel aus?

Eine äußere oder Hautfistel kann als kleine, flüssigkeitsaustretende Öffnung in der Haut sichtbar werden. Innere Fisteln lassen sich von außen meist nicht erkennen und äußern sich eher durch Symptome wie Durchfall, Bauchschmerzen oder Gewichtsverlust.

Verschwinden Fisteln jemals von selbst?

Ja. Viele Fisteln heilen ohne Operation. Die meisten Fisteln, aus denen nur geringe Mengen Flüssigkeit austreten, schließen sich mit der passenden Behandlung und Unterstützung von selbst. Andere benötigen unter Umständen Medikamente, Ernährungsunterstützung oder eine Operation, wenn sie nicht von selbst abheilen.

Für weitere Informationen und eine persönliche Beratung wenden Sie sich an Ihre Stomapflegekraft.