Die Menopause verstehen
Von der Menopause spricht man rückblickend, nach zwölf aufeinanderfolgenden Monaten ohne Periode. Sie tritt meist zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr ein, im Durchschnitt mit etwa 51 Jahren1. Die vorausgehende Phase, die Perimenopause, kann sich über mehrere Jahre erstrecken und wird durch schwankende und schließlich sinkende Östrogen- und Progesteronspiegel ausgelöst – Hormone, die als Botenstoffe im gesamten Körper wirken, nicht nur im Fortpflanzungssystem.
Gerade wegen dieser breiten Wirkung können Peri- und Menopause ein sehr unterschiedliches Symptombild hervorrufen: Hitzewallungen, Nachtschweiß, vaginale Trockenheit, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme ("Brain Fog"), Gelenk- und Muskelschmerzen, Herzklopfen, verminderte Libido sowie Veränderungen der Körperzusammensetzung, etwa Zunahme von Bauchfett und allmählicher Muskelabbau. Jede Frau erlebt diese Phase anders – manche kommen fast beschwerdefrei durch, für andere ist sie spürbar belastend.
Wo sich Menopause und Stomapflege überschneiden
Hautgesundheit rund um das Stoma
Sinkende Östrogenspiegel lassen die Haut dünner, trockener und langsamer heilend werden – und die Haut rund um das Stoma, die durch Klebeflächen und Ausscheidung ohnehin stärker beansprucht wird, kann dadurch schneller irritiert reagieren. Wenn Sie eine neue Rötung, Wundheit oder Hautveränderung bemerken, die vorher nicht da war, lohnt es sich zu prüfen, ob die Wechseljahre eine Rolle spielen könnten, statt gleich von einem Fehler in der gewohnten Routine auszugehen.
Oft helfen kleine Anpassungen: ein Hautschutzprodukt für empfindliche Haut, häufigere Kontrolle der Haut unter der Versorgung sowie gründliches Reinigen und Trocknen der Hautpartie vor dem Anlegen einer neuen Versorgung. Bei anhaltenden Beschwerden hilft Ihnen Ihre Stomapflegekraft, ein passendes Produkt für die veränderte Haut in den Wechseljahren zu finden.
Verdauung und veränderte Ausscheidung
Hormonelle Schwankungen können die Darmmotilität – also die Geschwindigkeit, mit der Nahrung und Ausscheidung durch den Verdauungstrakt wandern – beeinflussen. Das kann sich als Blähungen, Krämpfe oder veränderte Konsistenz der Ausscheidung zeigen: bei manchen eher dünnflüssiger und häufiger, bei anderen eher in Richtung Verstopfung. Ein einfaches Ernährungs- und Symptomtagebuch kann helfen, Muster zu erkennen und herauszufinden, welche Lebensmittel in dieser Phase angepasst werden sollten. Ausreichend zu trinken ist jetzt besonders wichtig, vor allem wenn Hitzewallungen oder Nachtschweiß den Flüssigkeitsverlust zusätzlich erhöhen.
Emotionales und psychisches Wohlbefinden
Stimmungsschwankungen gehören zu den häufigsten – und oft unterschätzten – Symptomen der Menopause, und sie können sich mit der emotionalen Auseinandersetzung überschneiden, die viele Menschen mit Stoma ohnehin durchlaufen, etwa rund um Körperbild, Selbstvertrauen und Identität. Angstgefühle, gedrückte Stimmung oder Reizbarkeit, die sich ungewohnt oder unverhältnismäßig anfühlen, sollten Sie ernst nehmen, statt sie allein "durchzustehen".
Unterstützung kann viele Formen annehmen: Gespräche mit Freund:innen oder Partner:in, der Austausch in einer Selbsthilfegruppe für Wechseljahre oder für Menschen mit Stoma, oder ein Gespräch mit der Hausärztin bzw. dem Hausarzt über eine Beratung oder Psychotherapie. Wenn Ihr Stomachirurg bzw. Ihre Stomachirurgin grünes Licht gegeben hat, ist regelmäßige, sanfte Bewegung – Spazierengehen, Schwimmen, Pilates – neben den körperlichen Vorteilen auch für die Stimmung hilfreich.
Sexuelle Gesundheit und Intimität
Vaginale Trockenheit und verminderte Libido sind häufige Symptome der Menopause und können sich mit Fragen rund um das Körperbild überlagern, die manche Menschen mit Stoma ohnehin beschäftigen. Vaginale Feuchtigkeitspflege, Gleitmittel oder lokal angewendetes Östrogen (verschreibungspflichtig) können die Trockenheit lindern, und ein offenes Gespräch mit der Partnerin bzw. dem Partner darüber, was sich verändert hat und was sich gut anfühlt, hilft oft mehr als die Behandlung eines einzelnen Symptoms. Manche empfinden es auch als hilfreich, Positionen auszuprobieren, die sich mit der Versorgung sicherer oder angenehmer anfühlen.
Ernährung in den Wechseljahren
Der Nährstoffbedarf verändert sich in den Wechseljahren etwas, und für Menschen mit Stoma bedeutet das, allgemeine Ernährungsempfehlungen für die Menopause mit der gewohnten Stoma-Ernährung in Einklang zu bringen. Calcium und Vitamin D gewinnen für die Knochengesundheit an Bedeutung, da das knochenschützende Östrogen abnimmt. Ballaststoffe bleiben wichtig für eine regelmäßige Verdauung, sollten aber – wie bei Stoma allgemein üblich – schrittweise und in Maßen gesteigert werden, um Verschlüsse zu vermeiden. Auch die Alkoholverträglichkeit kann sich in dieser Zeit verändern, es lohnt sich also, auf die eigene Reaktion zu achten, statt sich auf bisherige Gewohnheiten zu verlassen.
Bewegung und Rumpfkraft
Der Muskelabbau beschleunigt sich in den Wechseljahren, da Östrogen am Erhalt von Muskel- und Bindegewebe beteiligt ist. Für Menschen mit Stoma ist das an zwei Stellen besonders relevant: an der Bauchwand, wo nachlassende Muskel- und Fasziekraft das Risiko oder die Größe einer parastomalen Hernie erhöhen kann, und am Beckenboden, wo eine Schwächung sich durch Inkontinenz, ein Schweregefühl oder ein Vorwölbungsgefühl bemerkbar machen kann.
Bewegung mit geringer Belastung – Spazierengehen, Schwimmen, Radfahren – unterstützt die allgemeine Gesundheit, das Gewichtsmanagement und den Schlaf, was sich auch indirekt positiv auf das Hernienrisiko auswirkt. Ergänzend lohnt sich in dieser Lebensphase gezieltes Rumpf- und Beckenbodentraining, das über reine Beckenbodenübungen hinausgeht und die Atmung mit einbezieht. Bei einer bestehenden oder vermuteten Hernie ist Bewegung nicht automatisch tabu – gezieltes, langsam gesteigertes Training wird oft sogar empfohlen –, sollte aber am besten in Abstimmung mit der Stomapflegekraft oder einer für Stoma-Patient:innen erfahrenen Trainerin bzw. einem erfahrenen Trainer erfolgen.
Flüssigkeitshaushalt, Hitzewallungen und Nachtschweiß
Bei einem Ileostoma oder einem internen Pouch ist der Flüssigkeits- und Elektrolytbedarf ohnehin höher als im Durchschnitt. Kommen Nachtschweiß und Hitzewallungen hinzu, rutscht man leichter unbemerkt in eine Dehydrierung – vor allem nachts. Achten Sie auf Anzeichen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder dunklen Urin und erhöhen Sie bei stärkerem Schwitzen entsprechend die Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr.
Hormonersatztherapie (HRT) und Stoma
Eine Hormonersatztherapie (HRT) kann Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und andere Wechseljahresbeschwerden spürbar lindern, und ein Stoma spricht grundsätzlich nicht dagegen. Entscheidend ist die Darreichungsform: Orale Präparate müssen über den Darm aufgenommen werden, was bei einem verkürzten oder umgeleiteten Darm – insbesondere bei einem Ileostoma – die Aufnahme beeinträchtigen kann. Transdermale HRT – Pflaster, Gel oder Spray, die den Verdauungstrakt umgehen – eignet sich daher für Menschen mit Stoma oft besser und sollte gezielt bei der Hausärztin bzw. dem Hausarzt angesprochen werden.
Sprechen Sie vor Beginn, Absetzen oder einer Änderung der HRT immer mit Ihrer Hausärztin, Ihrem Hausarzt oder einer gynäkologischen Praxis, und erwähnen Sie Ihr Stoma, damit die Aufnahmefähigkeit bei der Empfehlung berücksichtigt wird.
Wann Sie sich Unterstützung holen sollten
Die Wechseljahre mit Stoma sind kein Thema, das man allein bewältigen muss. Ihre Hausärztin bzw. Ihr Hausarzt, eine gynäkologische Praxis mit Schwerpunkt Wechseljahre und Ihre Stomapflegekraft sind gute Anlaufstellen, wenn die Symptome Ihren Alltag beeinträchtigen – einzeln oder gemeinsam. Ein Symptomtagebuch kann helfen, menopausenbedingte Veränderungen von stomabedingten oder anderen Verdauungsproblemen zu unterscheiden, was für diese Gespräche hilfreich sein kann.
Fazit: Menopause und Stoma
Die Wechseljahre mit Stoma müssen Sie nicht allein durch Ausprobieren bewältigen. Etwas Geduld mit Ihrer gewohnten Routine, mehr Aufmerksamkeit für Flüssigkeitszufuhr und Rumpfkraft sowie offene Gespräche mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, einer gynäkologischen Praxis oder Ihrer Stomapflegekraft können diesen Übergang deutlich leichter machen. Wenn Sie unsicher sind, ob ein Symptom von den Wechseljahren, dem Stoma oder etwas anderem kommt, ist genau das eine gute Frage für Ihr Behandlungsteam.
FAQ: Menopause mit einem Stoma
Was sind die drei größten Herausforderungen bei einem Stoma?
Die am häufigsten berichteten Herausforderungen bei einem Stoma lassen sich drei Bereichen zuordnen: Hautprobleme rund um das Stoma (Reizungen, Wundsein, Hautschäden), Undichtigkeiten bzw. Probleme mit der Versorgung sowie die psychische und soziale Verarbeitung des Lebens mit Stoma, etwa rund um Körperbild und Selbstvertrauen. Diese Bereiche beeinflussen sich gegenseitig – Hautprobleme können zum Beispiel dazu führen, dass die Versorgung weniger sicher hält, was sich wiederum auf das Selbstvertrauen auswirkt.
Riechen Stomabeutel?
Moderne Versorgungen sind mit geruchshemmender Folie und häufig mit integrierten Filtern ausgestattet, sodass bei korrektem Sitz und guter Hygiene in der Regel kein wahrnehmbarer Geruch für andere entsteht. Ernährung, Flüssigkeitszufuhr und wie gut die Versorgung sitzt, können den Geruch der Ausscheidung beeinflussen – bei anhaltenden Problemen hilft Ihre Stomapflegekraft weiter.
Erhöhen die Wechseljahre das Risiko für eine parastomale Hernie?
Sie können dazu beitragen. Der sinkende Östrogenspiegel beschleunigt in dieser Lebensphase den Abbau von Muskel- und Bindegewebe, auch an der Bauchwand, was eine Hernie begünstigen oder eine bestehende stärker spürbar machen kann. Rumpf- und Beckenbodentraining sowie ein bewusster Umgang mit dem Gewicht im Bauchbereich lohnen sich deshalb besonders in den Wechseljahren.
Kann ich trotz Ileostoma eine Hormonersatztherapie (HRT) nehmen?
In der Regel ja, entscheidend ist aber die Darreichungsform. Orale HRT wird über den Darm aufgenommen, was bei einem verkürzten oder umgeleiteten Darm – insbesondere bei einem Ileostoma – eingeschränkt sein kann. Transdermale Optionen wie Pflaster, Gel oder Spray umgehen den Verdauungstrakt und eignen sich oft besser – sprechen Sie dies gezielt bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt an.
1. 1. impactsofmenopause.com/